Thomas Kiesewetter Bildhauer 01 09 17 19 h gratis

Parallel zu Ulrich Rückriems Multiples präsentiert die Kunsthalle Bielefeld im zweiten Obergeschoss Werke des Bildhauers Thomas Kiesewetter. Die Skulpturen Kiesewetters sind aus Metall gebildet  und monochrom farbig gefasst. Sie lassen die produktive Auseinandersetzung Kiesewetters mit der Moderne und der Geschichte der Skulptur im 20. Jahrhundert erkennen, sind dabei aber eigenständig und zeitgenössisch. Die Auswahl der Skulpturen führt das skulpturale Werk Kiesewetters repräsentativ vor Augen und schließt auch neuere Arbeiten Kiesewetters ein, in denen der Künstler die Skulptur unter veränderten Wesentlichkeiten denkt. Kiesewetter arbeitet zunächst mit Modellen aus Karton, Kunststoff oder Holz, aus denen er Elemente formt, die er dann im Anschluss zu seinen komplexen Gebilden fügt. Wenn diese feststehen, werden sie eins zu eins mit Metallblechen umgesetzt und dann farbig gefasst. Diese Arbeitsweise des Zusammenfügens von Elementen führt zu der Allansichtigkeit der Skulpturen Kiesewetters. Es gibt hier kein Vorne oder Hinten, man blickt beim Umlaufen der Skulptur immer von vorn auf aufgefächerte oder verdichtete Figuration.
Im Unterschied zu den aus dünnen Blechen hergestellten Skulpturen Kiesewetters, die sich durch ein permanentes Wechselspiel zwischen positiven und negativen, offenen und geschlossenen  Volumen auszeichnen, besitzen seine neueren Arbeiten, die seit etwa vier Jahren entstehen, vollplastische Formen. Die additive Bauweise der Skulpturen bleibt erhalten, bekommt durch die vollplastische Präsenz der einzelnen Formelemente nun aber die Schwerkraft als Bedingung hinzu. Die vormals «leeren» Teile haben nun Masse, die balanciert werden will. Dies verändert die Erscheinungsweise der Skulpturen. Die Skulpturen sind nun gegossen, wodurch eine innere Stabilität gewährleistet ist, die aber der Erscheinung einer Labilität ihres Standes nicht entgegen wirkt.
Ihre neue physische Präsenz reflektiert eine Hinwendung des Künstlers zu einer unmittelbaren, elementaren Formfindung. Der scheinbar unsichere Stand, die Labilität wird dann zur Metapher ihrer
ureigenen Existenz.