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Konstantin Grcic
Abbildungen
19 03 16
03 07 16

Konstantin Grcic ist einer der renommiertesten Industriedesigner derzeit. Seine Entwürfe sind avantgardistisch und zukunftsweisend, gleichzeitig gelten manche von ihnen, der chair_ONE (2004) oder die Leuchte Mayday (1999), bereits heute als Designklassiker und haben Eingang in wichtige Designsammlungen, etwa des Museum of Modern Art in New York oder der Neuen Sammlung in München, gefunden. Grcics Entwürfe verbinden industrielle Ästhetik mit experimentellen, künstlerischen Elementen, sie sind funktional, aber dennoch sperrig und teilweise bewusst irritierend.
Die Ausstellung «Konstantin Grcic. Abbildungen» in der Kunsthalle Bielefeld ist keine Übersicht oder gar Retrospektive, sondern eine Werkschau, die den architektonischen und inhaltlichen Vorgaben der Kunsthalle folgt. Ausgangspunkt und Grammatik bei der Konzeption dieser Ausstellung ist der Sockel. Dieses oft übersehene Präsentationselement für Objekte und Skulpturen wird seit Auguste Rodins Entwurf für die «Bürger von Calais» 1884 von Bildhauern immer wieder in Frage gestellt. Für Rodins Marmorskulptur «La Douleur» aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld hat Konstantin Grcic  jetzt einen neuen Sockel entworfen. Der klassische Marmor Rodins wird mit heutiger Industrieästhetik konfrontiert. Ihm räumlich zugeordnet ist das wohl bekannteste Möbel Grcics, der chair_ONE in der Variante mit Betonfuß. chair_ONE ist ein Stuhl aus deutlich zwei Teilen. Die markante Sitzschale wird von dem Fuß in der Art eines Sockels empor gehoben, aber durch das Gewicht des Betons zugleich an einen Ort fixiert.
Die Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld variiert das Thema Sockel für ausgewählte Produkte, die Konstantin Grcic in den vergangenen Jahren entworfen hat. Die Beistelltische der Serie «Diana» etwa werden auf eigens für sie angefertigten Sockeln präsentiert. Ursprünglich durch Biegungen einer zweidimensionalen Metallplatte entstanden, um als dreidimensionale Objekte zur Präsentations- oder Ablagefläche alltäglicher Dinge zu werden, stehen sie nun selbst auf einem Podest. Im Museum dem funktionalen Alltag entnommen und auf einem Sockel präsentiert, findet das Möbel zu seiner autonomen, gestalteten Form zurück. Ähnlich verhält es sich mit dem Tisch «Pallas», der, verdoppelt, mit der Tischfläche auf einen zweiten gelegt, zugleich zum Sockel wie zum ausgestellten Objekt wird.
Mittels visueller Referenzen wird über die Sockelthematik hinaus auf weitere Grundbegriffe der Moderne verwiesen, die Konstantin Grcic in seiner Arbeit wichtig sind. Dazu hat Grcic Werke aus der Sammlung der Kunsthalle Bielefeld für die Ausstellung ausgewählt, aus denen ersichtlich wird, dass bei ihm Design ohne die Auseinandersetzung mit Kunst nicht denkbar ist. Für Grcic bedingen sich die Bild- und Formensprache von Kunst und Design gegenseitig.
Ein Katalog ist im Lars Müller Verlag Zürich erschienen und kostet 40 Euro.