Sven Johne
Jutta
16 04 15
21 06 15

Die Kunsthalle Bielefeld startet im April 2015 eine neue Ausstellungsreihe mit Videokunst. Um zukünftig auch dieses Medium in den Räumen der Kunsthalle Bielefeld präsentieren zu können, wurde die Studiengalerie im Untergeschoss der Kunsthalle renoviert und steht nun wieder als Ausstellungsraum zur Verfügung. Den Auftakt der Reihe macht ab dem 16. April 2015 die Videoarbeit «Jutta» des Berliner Künstlers Sven Johne aus dem Jahr 2014.

«Jutta» erzählt die Geschichte des deutsch-brasilianischen Finanzunternehmers Erik – eine Adaption der wahren Geschichte des Tycoons Eike Batista, der mit seinen Unternehmungen zum siebtreichsten Menschen der Welt wurde. In den Räumen einer abgedunkelten Villa, die allein auf einer nicht näher definierten Südseeinsel steht, erzählt Jutta, die Mutter Eriks, wie ihr Sohn mit Scheinprojekten, die das Ausmaß einer ganzen Stadt annahmen, Investorengelder akquirieren konnte. Der durch aufwendige Visualisierungen produzierte schöne Schein der vorgestellten Projekte und die Gier nach dem schnell verdienten Geld verführten zahllose Investoren. Erik wurde so zum siebtreichsten Menschen der Welt, ohne ein einziges Projekt realisiert zu haben. Auf der filmischen Ebene visualisieren die Einrichtung der Villa sowie das durch die geschlossenen schweren Vorhänge ausgeschlossene Paradies der Südseeinsel den schönen Schein. Sie stoßen jedoch auf die Leere im Gesicht der allein zurückgebliebennen Mutter, die aus der Erinnerung farbige Zeichnungen der Natur fertigt.

Die Geschichte Eriks, bzw. Eike Batistas, kann als Extrem beispielhaft für die von der Realität abgekoppelten Geschäfte globaler Finanzmärkte stehen. Sven Johnes Videoarbeit ist  keine Dokumentation. Sie transportiert auf verschiedenen Ebenen Paradoxien, etwa zwischen An- und Abwesenheiten oder der Intimität einer Mutter-Sohn-Beziehung und der Anonymität der Akteure auf den globalen Finanzmärkten. Zugleich stellt sie die Frage nach der Authentizität und dem Beweischarakter des Mediums Film.

Sven Johne wurde 1976 auf Rügen geboren, er lebt und arbeitet in Berlin. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u.a. Casa Baldi Stipendium der Deutschen Akademie Rom/Villa Massimo 2013; Förderpreis der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung für «Kataloge für junge Künstler»). Seine Arbeiten sind in nationalen und internationalen Sammlungen vertreten und wurden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert, u.a. in der Kunsthalle Bremen, Deichtorhallen Hamburg, MUDAM Luxemburg, Witte de With Rotterdam, Sprengel Museum Hannover, ARGOS Brüssel.