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(Deutsch) Folge 6: Auguste Rodin, Der Denker, 1902

Hallo! Heute gehen wir vor die Kunsthalle und betrachten ein sehr berühmtes Kunstwerk: Den „Denker“ von Auguste Rodin (1840 – 1917), der seit der Eröffnung der Kunsthalle im Jahr 1968 hier auf seinem Sockel sitzt und denkt. Kommt mit!

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Auguste Rodin, Der Denker, 1902, Bronze, Höhe: 181 cm
Foto: Ingo Bustorf

Gerade diese Arbeit an diesen Platz zu stellen, dafür hat man sich 1968 ganz bewusst entschieden, denn Auguste Rodin gilt als der Wegbereiter der Moderne in der Bildhauerei, als Urvater der modernen Bildhauerei. Er hat mit vielen Traditionen gebrochen, worüber sich das Publikum damals sehr stark aufgeregt hat. Aber das interessierte Rodin nicht, er arbeitete, wie er es für richtig hielt und ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Mit seinen neuen Ideen hat er viele nachfolgende Bildhauer*innen beeinflusst. Und die Kunsthalle ist ein Haus der Moderne, zeigt Kunst ab 1900 ungefähr bis heute!
Aber was ist das Besondere, das Moderne an dieser Arbeit, werdet ihr vielleicht fragen.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts verkörperten Skulpturen meistens Könige oder Politiker, Dichter oder Komponisten. Berühmte Personen also. Hier in der Nähe könnt ihr euch z. B. den Politiker Otto von Bismarck (1815 – 1898) anschauen. Oder den „Leineweber“ hinter der Altstädter Nicolaikirche. Denkmäler stellten weiterhin Szenen aus der Bibel, der Mythologie oder der Geschichte dar. Hoch auf einem Sockel stehen die Figuren und die Menschen sind meist ideal, sehr schön, besonders gekleidet dargestellt.
Und Rodin? Der macht vieles anders. Zwar sitzt unser Denker auch hoch oben auf einem Sockel, aber schaut euch seinen Körper an. Was ist daran ideal? Seine so großen Füße? Die Beulen an Armen und Beinen? Die großen Hände? Und die gebeugte Sitzhaltung? Und überhaupt, wer ist das?
Rodin gestaltete keine berühmte Persönlichkeit, sondern eine denkende Figur. Eine Handlung, und zwar das Denken, ist das Thema der Skulptur. Und das war damals ganz neu.

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Ja, so wir ihr sitzt der Mann da und denkt nach. Worüber, das wissen wir nicht genau, aber Rodin hatte sich zu der Zeit intensiv mit der „Göttlichen Komödie“ von Dante Alighieri (1265 – 3121) beschäftigt, der darin die Gefühle und Sorgen der Menschen beschreibt. Vielleicht denkt er also über die Menschen nach?

Aber nicht nur das Thema, sondern auch die Art, wie dieser Mann dargestellt, gearbeitet ist, war neu. Bis ungefähr zum Jahr 1900 gab es eben nur ideale Figuren. Große Männer und etwas kleinere Frauen mit idealen Körpermaßen. Da war niemand zu dick oder viel zu klein, alle hatten schöne Gesichter und wunderbare Haare. Für die Männer bedeutete das, dass sie muskulös und groß waren. Das ist unser Denker auch, aber seine Füße und Hände sind zu groß und vor allem ist seine Haut beulig. Man sieht, dass er eine Skulptur ist, die jemand gearbeitet hat! Der Bildhauer zeigt, dass es Bildhauerei ist und wir sollen nicht meinen, da säße ein echter Mensch. Das zeigen uns diese Arbeitsspuren. Wir können fast noch nachvollziehen, wie der Künstler mit bloßen Händen die Oberfläche gestaltet hat.
Vielleicht findest du jemanden, der gemeinsam mit dir einen Spaziergang zum Skulpturenpark der Kunsthalle unternimmt. Rund um das Gebäude sind insgesamt siebzehn Kunstwerke platziert. Hier kannst du dir Auguste Rodins „Denker“ genauer anschauen.
Während du in der Kunsthalle die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler zwar anschauen, aber nicht berühren darfst, hast du im Park die Möglichkeit, die originalen Werke anzufassen. Bei dem „Denker“ wird es etwas schwierig, da er auf dem hohen Sockel steht, aber bei fast allen anderen Kunstwerken im Park wird dir das gelingen. So kannst du die verschiedenen Materialien wie Bronze, Stein, Metall, Holz spüren und die Formen begreifen.
Und wenn du dann noch Lust hast, kann dein Spaziergang noch weiter gehen. Wo befinden sich im Stadtbild Bielefelds weitere Skulpturen/Plastiken? Welche Kunstwerke fallen dir ein? An welchen gehst du, ohne darauf zu achten, sogar täglich vorbei?
(https://nrw-skulptur.net/route/bielefeld-die-stadt/?overview)

Dass Rodin sich auch nicht an die Größenverhältnisse hielt, ist ein weiterer Grund, weshalb wir in ihm keinen echten Menschen sehen. Später arbeitete Rodin übrigens sogar nur Fragmente, also Teile von Körpern, um etwas auszudrücken – z. B. nur die Beine, wenn er das Laufen zeigen wollte. Oder er deutete Dinge nur an, denn er wusste, dass wir Betrachter uns das Fehlende dazu denken können.
Auguste Rodin hat den menschlichen Körper ganz genau studiert, kannte alle Sehnen und Muskeln, kannte alte und junge Körper. In seinem Atelier waren immer Modelle zu Gast. Die waren oft nackt und bewegten sich durch den Raum, denn Rodin wollte den Menschen in seiner natürlichen Haltung und Bewegung beobachten. Er zeichnete die Modelle oder nur bestimmte Bereiche der Körper, die ihm wichtig waren. Danach arbeitete er diese aus Gips. Er modellierte viele Hände und Füße, Schultern, Beine, Köpfe – sein Atelier war voll davon. So konnte er die einzelnen Teile auch zusammensetzen und vor allem immer wieder verändern. Er formte und modellierte, goss die Figuren ab, zerteilte sie, ergänzte sie mit anderen Teilen, fügte zusammen oder fing wieder von vorne an. Auch so zu arbeiten, war zu der Zeit völlig neu. In seinen Skulpturen wurde dann der Körper zum Ausdrucksträger für ein Gefühl, eine Handlung – wie hier bei uns das Denken!

Eine Bronzeplastik wie der „Denker“ von Auguste Rodin wird gegossen. Dazu braucht man zuerst eine Gussform. Diese Gussform nennt man Negativform, weil man erst darin dann die eigentliche Plastik gießen kann.
Beginne am besten mit dem Gießen eines Reliefs. So kannst du zum Beispiel einen Handabdruck aus Gips herstellen. Auch Rodin hat sich ja oft mit einzelnen Körperteilen befasst. Zur Herstellung der Negativform eignen sich weicher Ton oder Knete, auch eine Sandfläche (Sandkasten) bietet sich an. Rolle das Material zu einer Platte aus, diese sollte etwas größer als deine Handfläche sein. Ziehe die Ränder der Platte etwas hoch, wie bei einem Gefäß, so wird der flüssige Gips auf der Fläche gehalten. Drücke deine Hand fest in die Platte hinein, die Finger mit allen Hautfalten und Linien sollten deutlich zu erkennen sein. Nun kannst du die Negativform mit Gips ausgießen. Wichtig: Beim Arbeiten mit Gips solltest du eine Maske tragen. Schau im Teens Club nach, denn dort kannst du genau nachlesen, was du beim Arbeiten mit Gips bedenken musst. Vielleicht bekommst du ja auch Hilfe eines Erwachsenen.
Nach dem Abbinden des Gipses (siehe Teens Club) kann die Positivform aus der Gussform gelöst werden. Das Relief deiner Hand ist fertig.
Auf diese Weise kannst du alle möglichen Gegenstände abformen. Dir wird da sicher vieles einfallen – wir sind gespannt!

Für den „Denker“ hatte sich Rodin den Boxer Jean Baud als Modell eingeladen, der so nicht als Boxer, sondern als „Denker“ berühmt geworden ist.

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Jean Baud, Fotograf: unbekannt

Rodin hatte 1880 einen Auftrag bekommen: eine Prachttür (ein prächtiges Tor) für das Musée des Arts Décoratifs, das heutige Musée D´Orsay in Paris. Seine Beschäftigung mit dem Dichter Dante und dessen „Göttlichen Komödie“ brachte ihn auf die Idee, das so genannte Höllentor zu gestalten. Daran arbeitete Rodin bis zu seinem Tod 1917. Die Arbeit wurde nie vollendet. Wenn ihr einmal in Paris seid, könnt ihr aber im Musée D´Orsay einen Gipsabdruck des Entwurfs anschauen. Insgesamt 186 Figuren tummeln sich dort. Einige davon sind dann als Einzelfiguren oder in einer kleinen Gruppe berühmt geworden. So unser „Denker“, der ursprünglich oberhalb der Türen sitzt und auf das Geschehen hinunterblickt.
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Auguste Rodin, Höllentor, Foto: Deror avi (Wikimedia)

Im Musée Rodin in Paris, das in Rodins letztem Wohnort eingerichtet wurde, wird das Original des „Denkers“, das nur 72 cm groß ist, gezeigt. Ein Abguss steht auf dem Grab des Künstlers in Meudon, in der Nähe von Paris.
1902 vergrößerte Rodin die kleine Arbeit auf die Größe von 181 cm. Man spricht von der monumentalen Version, von der es weltweit 25 Abgüsse gibt und davon steht einer hier vor der Kunsthalle in Bielefeld.

Nun bist du dran! Endlich entsteht deine Plastik! Dazu kannst du sehr verschiedene Materialien nutzen: papprollen, kleine Kästen, Joghurtbecher, Styroporreste, Zeitungspapier, Draht, Krepp-Klebeband,… Setze die einzelnen Materialien zusammen, verbinde sie mit dem Klebeband. Du kannst versuchen, einen menschlichen Körper zu gestalten, ein Tier, aber auch eine von dir erdachte abstrakte Form. Fixiere die Form gut mit Klebeband.
Wenn du zufrieden bist mit deiner Grundform, kannst du mit der Außenhaut beginnen.
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
– Du kannst mit Schichten von Zeitungspapier und Kleister deine Form ummanteln, für die letzte Schicht nutze weißes Papier, zum Beispiel Toilettenpapier. So bekommst du eine passende Basis für die spätere Bemalung.
– Eine andere Möglichkeit ist das Arbeiten mit Gipsbinden. Die Gipsbinde, du bekommst sie recht günstig in der Apotheke, schneidest du in Streifen. Nur kurz in kaltes Wasser getunkt, werden die Streifen um die Form gelegt. Dabei sollten sich die einzelnen Streifen überlappen und diese Stellen sehr gut verstrichen werden. Lege mindestens zwei Schichten um deine Plastik.
Du entdeckst nach dieser Arbeit sicher Stellen an der Form, die dir noch nicht gefallen. Diese kannst du mit den Gipsbinden oder mit Papier und Kleister ausbessern, auch hast du die Möglichkeit, erneut anderes Material aufzulegen und zu befestigen.
Entspricht die Form deinen Vorstellungen, lass sie trocknen. Die Außenhaut wird fest und heller. Auch wird deine Plastik an Gewicht verlieren.
Wenn du magst, kannst du abschließend deine Plastik farbig gestalten. Und dann suche einen passenden Platz für dein Kunstwerk und vielleicht überlegst du wie Rodin, ob deine Plastik auf einem Sockel stehen soll oder nicht.
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Schickt uns gerne ein Foto von euren Arbeiten! Darauf freuen wir uns sehr. Bis bald – Karola, Christiane und Matthias
Bildung und Vermittlung
T 0521-329995019; lutterkort@kunsthalle-bielefeld.de (Christiane Lutterkort)
T 0521-329995010; albrecht@kunsthalle-bielefeld.de (Matthias Albrecht)

Zeichnung: Vera Brüggemann, 2020, © Vera Brüggemann
Arbeitsanregungen: Karola Eisenblätter